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Christel Hildebrandt
Dr. Annette Kopetzki
Volker Oldenburg
Claus Berg
Maria Regina Heinitz
Hendrik Rost
Ursula Schötzig
Andrea Salt
Judith Sombray

Hendrik Rost

GEDICHTE


Koalas
 
Woran uns der Anblick der Menschen erinnert,
ist der Zoologe Goldfuß, der uns einst

taxiert hat – dass alles aus seinem Namen besteht.
Immer, wenn Menschen etwas erblicken,

sehen sie ihren Standpunkt
bestätigt in jeder Geste.
 
Der Unterschied ist himmelweit, sie sehen uns und eilen
weiter – wir, als Symbol für Demut,

haben Zeit und halten unser Hinterteil
in die Welt. Das ist nicht nur so gemeint,
 
wie es sich deuten lässt. Wir haben das Gift
der Ansichten bisher überlebt –

und immer neu zerfällt die Schöpfung
in schädlich und süß.
 
Auf der Skala der Namen stehen wir bei Koala – der, „der nicht trinkt“.
Und es klingt, als würde ein Urteil gefällt über die Welt,

die nur sein kann, wie sie ist.
Bei Gefahr fliehen wir höher ins Geäst.

Wir haben dieses putzige Gesicht.
Wenn man uns erkennt, ist es schon zu spät.

Der Spitz

Die Unterwolle gefiel mir. Bis in den Sommer
kämmten wir sie aus, mit dem Wind flog sie
ins Gebüsch, diente nistenden Vögeln als Polster.
Er genoss jede Form von Zuneigung, und weil er wusste,
im Leben gibt es nichts, wofür man sich schämen muss,
war er frei. Ich hielt ihn für einen starken Bruder,
einen großen, der seine Sinne beisammenhat, der
sieht, wenn er riecht, und auf Feldlinien balanciert,
wo ich beim Gassigehen Gehorsam erbettle.
Der Schlaf war ein Fest, wenn er schlief,
und Trieb eine Feier, wenn er die heiße Hündin
in der Luft schmeckte. So war er immer mehr,
als man sein konnte. Ein Hecheln, Fressen, Ruhen.
Von ihm weiß ich, dass es nichts gibt als Interesse.
Dieses dauernde Ringen um den eigenen Rang.
Dinge zu schätzen, sie dann zu vergessen.