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Judith Sombray

Judith Sombray

aus: "Das Müde Herumtun des Weltalls" | GEDICHTE

In deinen Augen ist das ein Blauwal

Der Wal kommt, wenn die Spüle leer ist, die Waschmaschine ist leer der Müll, ich kann den Kopf nicht halten für den Wal, er kommt über die Küche wie der Geist eines Wals, er hält über dem Haus wie Neptun, der unheimlichste der Planeten, sein Blas geht durch die Straßen, wir bemerken ihn als Regen, niemand sieht den Wal wie er sich über das Viertel senkt, gasförmig, langsam, ohne feste Oberfläche, alles ist jetzt in der Küche, deine Hände, meine Augen Pfannen, Musik aus dem letzten Jahrhundert, mit dem Wal hat keiner gerechnet, mit seinem langsamen Sinken, er buttert die Straßen wir legen uns zu Boden und das Gas durchrauscht uns, wie Neptun der Wal, wie ein Ruf lehnt er sich auf uns, wie eine Häuserzeile die nachts in den Boden geht, wir hängen knapp über der Erde und in der Musik, in einem Planeten, der Wal hört jetzt auf mit allem wir atmen lange aus, die Teller klirren nach und die Menschen sortieren sich, als ob eine Beschwörung vergeht.

Liebe,

die sterbenden Wespen kommen zu uns und die lebenden folgen ihnen um sie heimzubegleiten. Keiner unternimmt etwas gegen den Regen der inzwischen bis zum 3. Stock ums Haus steht (wir sind im 5.). Ich atme die verbrauchte Luft direkt unter der Zimmerdecke, gierig, als läge darin die Lösung aller Probleme, die man haben kann Liebe, ich schreibe dir gebückt und kurz bevor der Tag sich ausschaltet ich schreibe dir mit Wespen im Zimmer, ich schreibe dir vom Sprungturm über den Bec